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Meerbusch ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte in NRW

Zukunftsfähig: Maßnahmenkatalog zur Förderung des Radverkehrs füllt sich

Seit September 2016 ist Meerbusch ein neues und selbstbewusstes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte (AGFS) in NRW. Der AGFS gehören jetzt 79 Städte, Gemeinden und Kreise in ganz Nordrhein-Westfalen an. Das Land NRW ist wichtigster Partner der Arbeitsgemeinschaft, fördert sie finanziell und unterstützt sie ideell. Im eigens gegründeten "Arbeitskreis Radverkehr" des Stadtrates und der Meerbuscher Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hat die Stadtverwaltung kompetente und partnerschaftliche Unterstützer.

Für Meerbusch hatte der Beitritt in die Arbeitsgemeinschaft handfeste Gründe: Im Jahr 2012 beschloss die Stadt als eine der ersten Kommunen im Rhein-Kreis Neuss, ein lokales Klimaschutzkonzept aufzulegen. Das Konzept sollte unter anderem dringende Maßnahmen zur Verringerung der kommunalen Energie- und CO2-Bilanz liefern.

Blick in die Statistik

Das Auto ist in Meerbusch mit Abstand das bevorzugte Verkehrsmittel. Zum 1. Januar 2016 waren in Meerbusch 39.800 motorisierte Fahrzeuge angemeldet – davon 35.130 Pkw. Die Pkw-Dichte liegt damit bei 0,63 Pkw pro Einwohner, landesweit sind es nur 0,54. Die täglichen Staus zeigen die Auswirkungen eindrucksvoll. In der Meerbuscher Energiebilanz macht sich das bemerkbar: 41 Prozent der im Stadtgebiet verbrauchten Endenergie schluckt der Kfz-Verkehr, auf die privaten Haushalte entfallen 39 Prozent, auf die Wirtschaft lediglich 18 Prozent. Verbesserungswürdig ist auch eine weitere statistische Zahl: Rund 50 Prozent der Autofahrten dienen dazu, Kurzstrecken von 100 Meter bis einem Kilometer zurückzulegen.

Handlungsbedarf

Fazit: In Meerbusch gibt es Handlungsbedarf in Richtung einer alternativen, schonenden Nahmobilität. Die Förderung des Radverkehrs steht dabei im Vordergrund. "Wir wollen am Fortschritt teilhaben und das Radfahren in Meerbusch konsequent attraktiver und sicherer machen. Nur so kann das Fahrrad zu einer erst zu nehmenden Alternative zum Auto werden. Der Austausch mit den anderen Mitgliedsstädten wird uns dabei helfen", so Bürgermeisterin Mielke-Westerlage.

Der übermäßige motorisierte Kurzstreckenverkehr ist nach Ansicht der AGFS das Kernproblem vieler Städte. Ein hoher Radverkehrsanteil hingegen entspanne die verkehrliche Situation und schaffe darüber hinaus Freiräume für denjenigen Kfz-Verkehr, der für die Erreichbarkeit und wirtschaftliche Funktionsfähigkeit einer Stadt unabdingbar ist. Die Mitgliedskommunen der Arbeitsgemeinschaft verstehen sich also nicht nur als "fußgänger- und fahrradfreundlich", sondern darüber hinaus als Modellstädte für eine zukunftsfähige, ökologisch sinnvolle und stadtverträgliche Mobilität. Sie unterstützen alle Maßnahmen, die die Städte als Lebensraum stärken.

Die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte bedeutet nicht, dass Meerbusch bereits jetzt fahrradfreundlich ist.

Grundbedingung für die Aufnahme war eine Reihe von Einstiegsmaßnahmen zur Förderung des Radverkehrs, die die Stadt quasi als Vorbedingung für die Mitgliedschaft erbringen musste und weiter erbringen muss.

Was hat wurde in Sachen Fahrradfreundlichkeit bislang unternommen?

  • Das Ingenieurbüro „Planungsgemeinschaft Verkehr" aus Hannover hat das Radverkehrskonzept weiter entwickelt.
  • An den Zufahrten Rheinstraße und Gonellastraße wurden Radsymbole mit Pfeilen aufs Pflaster gemalt. Autofahrer werden auf diese Weise auf den Zweirichtungsradweg hingewiesen.
  • Auf Anforderung des Landesbetriebs Straßenbau wurden entlang der Landesstraßen in Osterath (Osterather Straße, Strümper Straße, Meerbuscher Straße, Xantener Straße („Apfelparadies“) rot gestrichene Fahrradstreifen angelegt.
  • Wo es möglich ist, werden Sackgassenschilder durch Schilder mit Durchfahrtshinweis für Radfahrer ersetzt.
  • Poller in Radwegen (z.B. an der Willicher Straße in Osterath) werden entfernt, sofern sie nicht unmittelbar der Sicherheit der Radfahrer dienen.
  • Auf der Comeniusstraße, dem Bommershöfer Weg und dem Hohegrabenweg wurde die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben.
  • Mit der Stadt Kerken wurde eine Fahrradpartnerschaft mit jährlich wechselnder "Stadt-Land-Fluss-Tour" für jedermann geschlossen.
  • Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurden unter anderem die Freizeitkarte „Meerbusch mit Rad und Rolle“ und die Citylight-Kampagne „Meerbusch fährt Rad“ aufgelegt.
  • In Zusammenarbeit mit der Agentur „NiederrheinRad“ werden in zwei Meerbuscher Hotels Leihfahrräder angeboten.
  • 2016 nahm die Stadt erstmals am europäischen „Tag der nachhaltigen Mobilität“ teil.

Ein neues Projekt ist die Bereitstellung von mietbaren Fahrradboxen am Bahnhof Osterath und am Landsknecht in Meerbusch-Büderich.

Die umfangreiche Kampagne "Meerbusch radaktiv" soll dazu beitragen, das Bewusstsein für eine umweltverträgliche Nahmobilität weiter zu steigern.

Vom Bewerbungsbeschluss bis zur Zusage - Kleine Chronologie der Ereignisse

September 2014: Der Bau- und Umweltausschuss beschließt, dass sich Meerbusch um eine Mitgliedschaft in der AGFS bewerben soll.

Januar 2015: Der Meerbuscher „Arbeitskreis Radverkehr“ tagt zum ersten Mal. Dabei sind Vertreter aus Politik, Verwaltung, aus dem ADFC Meerbusch und der ehrenamtliche Fahrradbeauftragte der Stadt. Ziel ist es, gemeinsam konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur in Meerbusch zu erarbeiten.

Juni 2015: Ein vom Arbeitskreis erstelltes Rahmenkonzept zur Radverkehrsförderung in Meerbusch wird als Bewerbungsgrundlage bei der AGFS eingereicht.

27. Oktober 2015: Vertreter des Landesverkehrsministeriums und der Bezirksregierung Detmold kommen zur „Vorbereisung“ nach Meerbusch, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, wie es um den Fahrradverkehr in Meerbusch bestellt ist. Es folgen erste Empfehlungen und Verbesserungsvorschläge.

9. Mai 2016: Die AGFS-Kommission kommt zur offiziellen „Bereisung“, nimmt Radwege, Überwege, Kreuzungen etc. in Augenschein, gibt Hinweise für Verbesserungen. Anschließend gibt die Kommission die Empfehlung an das Ministerium, Meerbusch in die Arbeitsgruppe aufzunehmen. Die Mitgliedschaft ist auf sieben Jahre befristet.

Ansprechpartner

Frey, Dana
Tel.: 02150 - 916 274
E-Mail: dana.frey@meerbusch.de