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Mätesmann, Pajas und Schützenbruder

Reiter in Martinskostüm auf weißem Pferd vor Kinder mit Laternen
Straßenumzug von verkleideten Menschen in Nierst
Schützen und Fahnenträger in den Straßen von Osterath

Rheinisches Brauchtum made in Meerbusch 

Rheinische Menschen feiern gern. Der Meerbuscher ist da keine Ausnahme. Den Fans des FC Schalke 04 sagt man nach, man müsse lediglich das Flutlicht im Stadion einschalten, und 20.000 Zuschauer kämen. Wer einmal eines der traditionellen ´Feste in Meerbusch Stadtteilen besucht hat, stellt unweigerlich fest: Hier genügen ein Bierpavillon, etwas Musik und ein paar nette Leute, um die schon sprichwörtliche rheinische Lebensfreude zu erwecken. Gefeiert wird eigentlich immer irgendwo irgendetwas – im Frühjahr, im Sommer, im Herbst und im Winter. Das Angebot ist großzügig und umfangreich – dafür sorgen schon die Meerbuscher Vereine. Brauchtum wird noch gepflegt in der Stadt. Bestes Beispiel: Sechs Volks- und Heimatfeste der heimischen Schützenbruderschaften und -vereine ziehen im Wechsel von Pfingsten bis Mitte September die Menschen an. 

Die Schützen feiern mit offenen Armen, ihre Feste wirken über die Stadtgrenzen hinaus anziehend. Die größten sind längst ein lokaler Wirtschaftsfaktor geworden. Beispiel: die St.-Sebastianus-Bruderschaft im größten Stadtteil Büderich. Fast 1.400 Zugteilnehmer bringen die Büdericher alljährlich beim großen Schützen- und Heimatfest zu Pfingsten auf die Straße. Umzüge, Paraden und die Kirmes auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz sind Publikumsmagneten. Zu den ältesten Bruderschaften Meerbuschs gehören die Lank-Latumer Sebastianer, deren urkundlich belegte Wurzeln über 530 Jahre alt sind. Offen für Neues ist die Bruderschaft allemal. Neben den klassisch grün uniformierten Kompanien marschieren inzwischen sogar schottische „Bravehearts“ und römische Legionäre im Schützenregiment mit. Auch wenn’s manch konservativem Verfechter der rheinischen Schützentradition das Nackenhaar sträubt – die Zuschauer am Straßenrand haben ihre Freude dran.

Der Osterather Heimat- und Schützenbund ist bekannt für seinen überaus bunten Umzug. Landsknechte mit bunten Federhüten und Hellebarden paradieren vor dem Schützenkönig, die heftig qualmende Goulaschkanaone gehört längst zum markenzeichen der Umzüge. 

Die Aktivitäten der Schützen aber gehen weit über diese Jahreshöhepunkte hinaus, eine Vielzahl von Festen und Veranstaltungen füllt den Jahreskalender und schafft Gemeinschaftserlebnisse Die Geschichte der Bruderschaften beginnt im 16. Jahrhundert. Damals hatten die Schießübungen der Schützen noch einen handfesten Nutzen. Angesichts vieler Gefahren, die der Heimat drohten, galt es mutig und treffsicher zu bleiben. Der Heimatgedanke steht bis heute im Vordergrund. Jeder Ortsteil betreibt Heimatpflege auf seine ganz eigene, sympathische Weise.

Fünf Karnevalsvereine pflegen den auch in Meerbusch noch gelebten rheinischen Frohsinn. Karnevalssitzungen, Kostümbälle und Umzüge prägen den Kalender der "fünften Jahreszeit". Kurios: Gerade in der "jecken" Zeit ist einer der kleinsten Stadtteile am aktivsten. Die KG "Kött un Kleen" in Nierst steht für rheinischen Dorfkarneval der urwüchsigen Art. Der Rosenmontagszug in Nierst macht mancher Stadt Konkurrenz, schon ab morgens neun Uhr ziehen die Jecken, angeführt vom „Pajas“ (von Bajazz = Possenreißer). Die rauschenden Bälle im Festzelt an der Stratumer Straße haben längst "Kultcharakter" über die Ortsgrenzen hinaus.