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Gegen Insektensterben: Heimische Landwirte starten erstes Blüten-Patenschaftsprojekt für Meerbusch (mit Video)

Blühende Ackerstreifen als wertvolle Weide für Biene, Schmetterling und Co.

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Die beteiligten Landwirte und Jäger bei der Präsentation des Projekts "Blüten-Patenschaften" auf dem Leuchtenhof in Ilverich.

Heinrich Leuchten (Mitte), Philip Munscheid (mit Schild) und ihre Mitstreiter wollen in diesem Sommer rund 24.000 Quadratmeter Ackerraine in bunte Blühstreifen für Insekten verwandeln. Ein Patenschaftsprojekt macht's möglich. Foto: Stadt Meerbusch

Heinrich Leuchten hat sich viel vorgenommen: Pünktlich zum Start der neuen Saatzeit möchte der Landwirt aus dem Stadtteil Ilverich das erste Meerbuscher Blüten-Patenschaftsprojekt starten. Im Zuge dessen sollen rund 2,4 Hektar Ackerstreifen und -parzellen im Bereich der Rheingemeinden und Lank mit Wildblumensamen eingesät und so zur wertvollen Insektenweide werden. Meerbuscher Bürgerinnen und Bürger können Flächenpaten werden, mit ihren Beiträgen Saatgut finanzieren und Verdienstausfälle der Bauern ausgleichen.

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Kleine Beträge für die ganze Familie

Die Patenschaftsbeiträge liegen bei 50 Cent pro Quadratmeter eingesäter Fläche, Mindestbetrag sind 25 Euro für 50 Quadratmeter. Damit sollen auch Familien mit Kindern die Möglichkeit bekommen, eine Patenschaft zu einem überschaubaren Betrag zu übernehmen. Für 1.000 Quadratmeter Wildblütenpracht zahlen die Paten einmalig den Höchstbetrag von 500 Euro. Die Patenschaften gelten jeweils für ein Jahr, im Herbst werden die Blühstreifen untergepflügt. Im Folgejahr suchen die Landwirte dann neue Parzellen aus.

Alle nötigen Regularien und ein Anmeldeformular für Blüten-Patenschaften sind auf der Webseite des Hegerings Meerbusch hinterlegt. Zudem finden Sie das Anmeldeformular auch hier am Seitenende zum herunterladen.

Gute Idee - viele Mitstreiter

"Die Idee hat mich schon den ganzen Winter über beschäftigt", so Leuchten. "Ich war überrascht, wie schnell sich meine Berufskollegen aus der Nachbarschaft bereit erklärt haben, mitzumachen." Insgesamt zwölf Parzellen mit einer Gesamtfläche von 2,4 Hektar im Viereck Ilverich, Lank, Strümp, Langst-Kierst sollen jetzt mit Wildblumensaat belegt werden. Dank der Saatgutmischung "Bienenschmaus" werden hier im Sommer Wicken, Ringelblumen, Margariten, Malve, Gelbsenf und Kornblume Insekten anlocken. Die Zeit drängt: Bis spätestens Ende April, Anfang Mai muss die Saat ausgebracht sein.

Die befreundeten Landwirte Markus Bolten, Jürgen Hilgers, Rainer Roos, Frank Neukirchen sowie Hanno und Johannes Paas hat Heinrich Leuchten schon als Mitstreiter gewonnen. Aus der Jagdgesellschaft Ilverich / Langst-Kierst kommen sein Bruder Bernhard Leuchten,  Hegeringleiter Philip Munscheid und Geschäftsführerin Claudia Lindner hinzu. "ich würde mich freuen, wenn Landwirte aus den übrigen Meerbuscher Stadtteilen die Idee aufgreifen", so Bernhard Leuchten. 

Auch die Stadt setzt auf Wildblumenwiesen

Die Stadt Meerbusch unterstützt das Projekt aktiv mit Öffentlichkeitsarbeit oder auch mit der Beschilderung der Patenparzellen. In den Jahren 2016 bis 2018 hat die Stadt selbst bereits 14,5 Hektar naturnahe Wildblumenwiesen angelegt und in Pflege genommen, 2019 kommen 20.250 Quadratmeter hinzu. "Weitere 21.920 Qudratmeter sind für das Jahr 2020 vorgesehen", so Dana Frey, Stabsstellenleiterin für Umweltschutz im Rathaus.

Wildwiesen gibt es bis jetzt unter anderem

  • im Landschaftspark Strümp (3 mal 250 Quadratmeter)
  • zwischen Fouesnantplatz und Meerbusch-Gymnasium (ca. 4.400 m²)
  • an der Meerbuscher Straße im Ortseingang von Büderich (ca. 3.250 m²)
  • an der Zufahrt zum Herrenbusch bei Ossum-Bösinghoven (ca. 3.290 m²)
  • Am Heindbergdamm in Lank-Latum (ca. 3.650 m²)
  • hinter dem Lanker Bürgerwäldchen (ca. 16.200 m²) oder auch
  • an der ehemaligen Müllkippe am Südrand von Lank-Latum (ca. 21.400 m²).

Zusatzlich wurden weitere Wiesenflächen in extensive Pflege genommen, um mehr blühenden Wildwuchs zu ermöglichen.

Hier sollen noch in diesem Frühjahr Insektenweiden entstehen: Auf dem Stadtplan sind die Parzellen schwarz markiert.

Hier sollen noch in diesem Frühjahr Insektenweiden entstehen: Auf dem Stadtplan sind die Parzellen bereits schwarzgrün markiert. Repro: Stadt Meerbusch

Blühende Wildwiesen sind für Insekten heute als Nahrungsquelle wertvoller denn je.

Die Lebensräume der Insekten schrumpfen, Klimawandel und wirksamer Insektizid-Einsatz tun ein Übriges. Blühende Ackerstreifen sollen den Tieren helfen. Foto: i-stock

Wildbiene über einer gelben Blüte.

Vor allem für Wildbienen, die wichtige Bestäuber sind, und für Schmetterlinge ist Blütenvielfalt in der freien Landschaft überlebenswichtig. Foto: i-stock