Karnevalstrubel macht Spaß, der bunte Feiermarathon von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag hat aber auch Gefährdungspotential – insbesondere für Kinder und Jugendliche. „Wir wollen, dass alle unbeschwert und sicher feiern können. Damit das gelingt, müssen aber auch alle Beteiligten mitziehen“, sagt Peter Annacker, Jugenddezernent der Stadt Meerbusch.
Anziehungspunkt Straßenkarneval
Für die Mitarbeitenden in seinem Fachbereich Jugend ist der Jugendschutz eine Kernaufgabe – besonders jetzt: Denn gerade der Straßenkarneval zieht naturgemäß auch Kinder und Jugendliche an. Einmal so richtig frei feiern, einmal vielleicht auch verbotene Dinge ausprobieren, einmal in der Clique zeigen, wie cool man ist - die Verlockung ist groß.
Der Alkoholkonsum unter Minderjährigen habe in den zurückliegenden Jahren spürbar nachgelassen, erklärt Stefanie Fandel, Leiterin des Fachbereichs Jugend in der Meerbuscher Stadtverwaltung. „Andere verlockende Angebote mit Risikopotential sind aber hinzugekommen.“ So seien E-Zigaretten, so genannte Vapes, zunehmend gefragter – leider auch unter Kindern und Jugendlichen. Im Vergleich zur Volksdroge Alkohol sei die Wirkung der oft mit schädlichen Aromen versetzten Dämpfe aber schwerer steuerbar. Gleiches gelte für Lachgas. „Über diese Gefahren müssen wir aufklären“, so Fandel.
Gefahr durch K.o.-Tropfen
Ein Thema, das die Sozialarbeiter ihres Teams gerade auch an Karneval im Blick haben, ist der Missbrauch von K.o.-Tropfen. Die so genannten „Vergewaltigungsdrogen“ enthalten Substanzen, die schon in geringen Mengen Benommenheit, Übelkeit und Bewusstlosigkeit hervorrufen und potentielle Opfer wehrlos machen können.
Die besten Mittel dagegen sind Wissen und Wachsamkeit. Beides fördert die Stadt gezielt auch im Rahmen ihrer Jugendschutzkontrollen, die Fachkräfte des Jugendamtes und des Ordnungsamtes gemeinsam mit der Polizei hauptsächlich im Umfeld von Volksfesten durchführen. „Wir zeigen vor Ort Präsenz – zu Altweiber auch rund um die weiterführenden Schulen oder am Karnevalssamstag am Rande des Zuges in Lank-Latum“, so Peter Annacker. „Dabei agieren wir nicht mit dem drohenden Zeigefinger, sondern als Gesprächspartner.“ Das Team spreche gezielt einzelne Jugendliche oder Gruppen an, die sich auffällig verhalten, die offensichtlich betrunken sind oder Getränke herumreichen, in denen mutmaßlich auch Alkohol enthalten ist. „Finden wir Alkohol bei Minderjährigen, wird die Flasche vor Ort ausgeschüttet, Strafen sprechen wir aber nicht aus.“
Kleine “Gimmicks” klären auf
Bei den Rundgängen verteilen die Mitarbeiter kleine „Give Aways“ und Info-Materialien, die über die aktuellen Themen aufklären und auf mögliche Risiken aufmerksam machen. Silikon-Kronkorken für Flaschen oder auffällige Schutzhüllen für Gläser sollen das eigene Getränk vor fremden Substanzen sichern. Auf bunten Info-Kärtchen fürs Portemonnaie finden sich praktische Verhaltenstipps oder Telefonnummern von Stellen, die Hilfe anbieten. „Die Gimmicks kommen bei den Jugendlichen gut an und sie helfen uns, locker ins Gespräch zu kommen“, weiß Stefanie Fandel aus Erfahrung.
Nicht zu vergessen ist bei allem behördlichen Einsatz die erzieherische (Mit-)Verantwortung der Eltern. Peter Annacker: „Kinder und Jugendliche, die in der Familie zuhause ohne Scheu auch über kritische Themen reden können, sind hier klar im Vorteil und besser gegen Risiken gewappnet.“ Ein offener, sachlicher Umgang ohne Schuldzuweisungen sei dafür die beste Voraussetzung.
