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IHK-Analyse zum Wirtschaftsstandort Meerbusch: Note „gut mit Luft nach oben“


 Alle fünf Jahre nimmt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein den Wirtschaftsstandort Meerbusch „unter die Lupe“. Was läuft gut? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Wie zufrieden ist die Wirtschaft in der Stadt? Betrachtet werden dabei sowohl die Branchenstruktur als auch ihre Entwicklung im Zeitverlauf. Ergänzend fließen zentrale volkswirtschaftliche Kennziffern ein, bei denen Meerbusch dem Rhein Kreis Neuss sowie dem Land Nordrhein Westfalen (NRW) und – wo sinnvoll – ähnlich strukturierten Kommunen aus NRW gegenübergestellt wird. 

Wo Unternehmen der Schuh drückt

Herzstück der Analyse ist eine Unternehmensumfrage, an der sich diesmal rund 130 Meerbuscher Betriebe mit etwa 3.100 Beschäftigten beteiligt haben. „Dadurch lässt sich präzise einordnen, wie Meerbusch im Standortwettbewerb abschneidet“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Das Ergebnis kurz zusammengefasst: Firmen, Gewerbetreibende, Handwerker und Händlerschaft sind „insgesamt zufrieden“ mit dem Standort Meerbusch, in der Gesamtbewertung ergab das die Note 2,41 oder „Zweiminus“. Damit liegt die Stadt nach wie vor deutlich über der Durchschnittsnote im Kammerbezirk (2,69). 

Zum 30. Juni 2024 waren in Meerbusch 14.093 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig – sage und schreibe 52,4 Prozent mehr als 1999. „Damit war das Wachstum in Meerbusch deutlich stärker als in NRW und im Rhein-Kreis Neuss“, erklärt Gregor Werkle, Leiter Wirtschaftspolitik bei der IHK Mittlerer Niederrhein. In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Vorwärtstrend jedoch spürbar verringert; zwischen 2022 und 2024 sei die Beschäftigung sogar um 3,4 Prozent zurückgegangen. „Das lag allerdings insbesondere am Wegzug eines Unternehmens mit vielen Beschäftigten.“ 

Die Arbeitslosenquote in Meerbusch lag 2024 bei 5,3 Prozent und damit unter dem NRW- und Kreisdurchschnitt. Die so genannte „einzelhandelsrelevante Kaufkraft“ liegt mit 128,3 deutlich über dem Bundesmittelwert. Gleichzeitig fließt aus Meerbusch – wie seit Jahrzehnten - weitaus mehr Kaufkraft in umliegende Städte ab als anderswo in der Region. Die attraktive Landeshauptstadt „vor der Haustür“ lässt grüßen. Die Verschuldung der Stadt Meerbusch ist niedrig. Der Gewerbesteuerhebesatz ist nach Einschätzung der IHK „im regionalen Vergleich wettbewerbsfähig, liegt aber deutlich über dem Niveau vergleichbarer Kommunen in anderen Bundesländern“. 

Erreichbarkeit und Stadtbild

Die beste Bewertung - Note 1,98 - erhielt Meerbusch in der Kategorie „Erreichbarkeit“, die Anbindung der Stadt an Straße und Schiene wird - trotz des erheblichen Verkehrsaufkommens - gelobt. Nach zunehmenden Ausfällen und Verspätungen bei der Bahn hat der „Standortfaktor Schiene“ unter den Befragten allerdings an Bedeutung verloren. Die digitale Infrastruktur betrachten die Unternehmer – insbesondere seit dem in Kooperation mit der Deutschen Telekom nachdrücklich forcierten Glasfasernetzausbau – als spürbar verbessert. Sicherheit und Stadtbild werden mit den Noten 2,22 und 2,57 ebenfalls gut bewertet. 

Nachholbedarf bei der Digitalisierung

„Luft nach oben“ sehen die Befragten bei der Digitalisierung der Verwaltung, zu lange Planverfahren seien obendrein ein Hemmschuh für die Weiterentwicklung des Standorts. Lediglich eine 3,55 vergaben die Umfrageteilnehmer im Schnitt für die Erreichbarkeit der Verwaltung, die Reaktionszeiten (Note 3,66) könnten nach Auffassung der Unternehmerschaft kürzer sein. Dass Meerbusch dringend neue Gewerbeflächen erschließen muss, ist eine grundlegende Handlungsempfehlung, die sich aus der Standortanalyse ergibt. Der 2025 vorgelegte Gewerbeflächenentwicklungsplan der Stadt hat das bereits bestätigt. Die Erweiterung des Strümper Gewerbegebietes „Bundenrott“ an der A44, einhergehend mit dem seit Jahren geplanten Bau der Kreisstraße 9n, solle nun „zeitnah planungsrechtlich gesichert und marktfähig entwickelt werden“, empfiehlt die IHK. 

Meerbuschs Bürgermeister Christian Bommers sieht die Standortanalysen der IHK positiv. „Es ist immer hilfreich, wenn man ein gut belegtes Feedback bekommt, was aus Sicht der heimischen Wirtschaft gut läuft und wo noch Optimierungsbedarf besteht.“ In Sachen Digitalisierung müsse die Stadtverwaltung in jedem Fall schneller vorwärts kommen. „Hier unternehmen wir schon jetzt große Anstrengungen, unsere Digitale Agenda wird uns weiter dabei helfen. Spätestens zur nächsten Standortanalyse wird die Bewertung auf diesem Gebiet deutlich besser ausfallen.“

Die komplette Standort-Analyse mit allen Zahlen und Fakten finden Sie hier.

Foto-Info: Bürgermeister Christian Bommers (rechts) nahm von IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz die Ergebnisse der aktuellen Standortanalyse entgegen. Foto: IHK